Vorbei sind die Zeiten, in denen die Startup Kultur gegen die großen Industrieunternehmen nichts ausrichten konnte: Laut dem MoneyTree Report von PWC sind 2014 weltweit insgesamt 48,3 Milliarden Dollar in Startups geflossen. Siemens investiert mit seiner Tochter „Next47“ in den nächsten 5 Jahren 1 Milliarde Euro in diverse Startups, um unternehmensintern digitale Innovationen zu fördern. 2015 gab es in Deutschland circa 760.000 neue Unternehmensgründer – Tendenz steigend.

Viele dieser Neugründungen agieren in konventionellen Märkten mit digitaler Ausrichtung und stellen für traditionelle kleine und mittlere Unternehme Chance und Risiko zugleich dar.

In nahezu allen industriellen Segmenten gibt es spannende, digitale Innovationen – Einerseits konkurrierende Ansätze mit KMUs, andererseits auch Ansätze mit Synergiepotentialen:

Bei all den neuen Startups mit digitaler Ausrichtung der Geschäftsmodelle muss man sich die Frage stellen:

Welchen Einfluss hat diese Markterweiterung auf konventionelle kleine- und mittlere Unternehmen in Deutschland? 

Die Gründer in Deutschland haben längst erkannt, dass sich die Startup Kultur in Zeiten von Business Intelligence, digitaler Transformation und Industrie 4.0 nicht mehr nur auf junge Branchen wie Applikationen für Mobilgeräte und Software beschränkt, sondern ausnahmslos alle Branchen der deutschen Industrie revolutionieren wird oder bereits revolutioniert hat.

Wir leben in einer aufregenden Zeit: Die Welle der Digitalisierung bedeutet für Unternehmen jeglicher Branche an Herausforderungen wachsen zu müssen. Aber macht das konventionelle kleine- und mittlere Unternehmen in Deutschland zwangsweiße langfristig zu Verliererern, da Startups aufgrund ihrer Innovationsbereitschaft, Dynamik und höheren User Experience mehr und mehr an Marktdominanz gewinnen? Wir glauben, dass jedes Unternehmen mit der richtigen Strategie, angepasst auf das Geschäftsmodell, von der Startupwelle profitieren kann, anstatt nach und nach Marktanteile an digitale Innovatoren zu verlieren.

Unabhängig von der Industrie: In nahezu jeder Branche kleiner- und mittlerer Unternehmen haben sich in den vergangenen Jahren Startups mit digitalen und innovativen Geschäftsmodellen entwickelt, die etablierten Unternehmen Konkurenz machen wollen. Die Zeiten, in denen Unternehmer ihr Geschäftsmodell jahrzehntelang ohne Innovationen und Veränderungen am Markt ausüben konnten, sind vorbei:

Unsere Welt entwickelt sich von Tag zu Tag schneller und digitaler – die logische Konsequenz: Wer sich nicht weiter entwickelt, verliert langfristig. Leichter gesagt als getan. Denn ein Großteil deutscher KMUs sind traditionsbewusste und z.T. konservative Betriebe.

Betrachtet man diese Unternehmen genauer erkennt man, dass fehlende Innovationskraft grob auf drei Ursprünge zurückzuführen ist:

  • Fehlendes Bewusstsein: Es werden keine Außenanreize beobachtet, vor allem nicht von neu aufkommenden Startups mit digitalen Geschäftsmodellen.
  • Tradition vor Innovation: Neue Trends werden kaum auf Machbarkeit und Erfolgsaussichten geprüft oder getestet – Sie werden akzeptiert, aber kaum adaptiert.
  • Inagilität: Neue Geschäftsmodelle werden beobachtet und verstanden, unternehmensinterne Innovation aber nicht getrieben.

 

Innovation und Tradition, das klingt zunächst widersprüchlich – dabei ist es ein Paar mit großem Potential: Innovation heißt nach vorne zu blicken, Geschäftsmodelle neu auszurichten oder aufzusetzen, Produkte für die Zukunft zu entwickeln. Tradition dagegen schaut zurück, besinnt sich auf alte Gepflogenheiten, Werte und Handlungsweisen. Und doch ist es möglich, gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen, Innovation zu treiben und Tradition zu bewahren – Zwei Erfolgsbeispiele:

Des weiteren herrscht im Mittelstand oft ein Mangel an Weitsichtigkeit: Das aktuelle Geschäftsmodell funktioniert – noch – die Bilanz stimmt, Veränderung, die gewisse Kosten mit sich bringen würde,  ist demnach meistens nicht gerne gesehen. Wozu auch? Was heute funktioniert, wird es in der Zukunft genauso.  Diese Denkmuster können Mittelständlern in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren massive Umsatzeinbrüche oder im schlimmsten Fall sogar die Existenz kosten. Innovationsbeobachtung ist essentiell geworden, neue digitale Geschäftsmodelle bieten immense Möglichkeiten – zu immens um sie zu ignorieren.

Wo aber liegt das konkrete Geheimnis? Warum schaffen es Startups Innovationen wesentlich schneller voran zu treiben und effektiv in ihr bestehendes Geschäftsmodell einzubinden beziehungsweiße dieses fortlaufend den aktuellen Bedingungen anzupassen?

 

Seit Anbeginn der Industriealisierung sind Unternehmen größtenteils hierarchisch gegliedert, in Abteilungen gleicher Aufgabenbereiche strukturiert. Die Frequenz der Außenanreize, will heißen die Dynamik und Komplexität, mit denen sich ein Unternehmen aktuell konfrontiert sieht hat sich exponentiell vermehrt und wird dies weiter tun.

Wir leben im Wissenszeitalter, im Zeitalter der globalen Märkte. All das schreit regelrecht nach konstantem Input und dementsprechender Veränderung.  Wenn es im traditionellen Unternehmensmodell vorkommt, dass ein Mitarbeiter eine innovative Veränderung einbringen will, so hat er sich zunächst an seinen Vorgesetzten zu wenden, welcher sich wiederum an seinen jeweiligen Chef und gegebenenfalls noch vorher an Personen in einer ähnlichen Position wendet, bevor der eigentliche Gedanke gar beim Vorstand oder der Geschäftsführung ankommt – tatsächliche Umsetzung zweifelhaft.

 

Ist eine gewisse Innovationsträgheit von Unternehmen also lediglich auf die Unternehmensgröße zurückzuführen? Nein – stattdessen ist es vielmehr die Art und Weise wie wir ein Unternehmen betrachten. Vorbei sind die Tage in denen wir einen Betrieb als eine Maschine, bestehend aus Zahnrädern, welche lediglich in das nächststehende greifen, sehen sollten. Denn eben so gut wie dieses von Taylor konzeptionierte Managementmodell einmal funktioniert hat, so deplatziert erscheint es im Jahr 2016.

 

Wir glauben an eine Veränderung des Blickwinkels ohne gleich das Rad neu erfinden zu müssen. Fördern Sie digitale Innovation fokusiert auf aktuelle Bedürfnisse der Nachfrager und testen Sie diese am Markt.

 

Digitale Innovation ist jetzt.

David Bayer ist Innovation Expert bei Consult&

David Bayer

Innovation Philosopher , Consult&